Reise- und Weihnachtszirkusse: verlagerte Schwerpunkte

Wanderzirkusse: Inbegriff des klassischen Zirkus

Seit im 19. Jahrhundert - zuerst in den USA - das Zelt (Zirkussprache: Chapiteau) als Präsentationsort in Mode kam, ist der reisende Zeltzirkus zum Inbegriff von Zirkus überhaupt geworden. Dabei spielten große Zirkusse in Europa bis ins frühe 20. Jhdt. in festen Gebäuden, so die berühmten deutschen Zirkusse Renz und Busch. Inzwischen gehen Zirkusse seit mehr als zwei Jahrhunderten mit Zelten und Wagen auf Reisen, und schon lange vorher zogen Gaukler und Komödianten (noch ohne Zelt) durch die Lande. "Fahrende" nennt man die reisenden Zirkus- und Jahrmarktsleute.

Die klassische Zirkus-Saison dauert von Frühjahr bis Herbst ("Sommertournee"). Doch viele Zirkusse haben inzwischen den Saisonbetrieb eingestellt und auf Kinder- und Projektzirkus oder spezielle Events umgestellt oder gar auf Zeltvermietung umgesattelt. Manche Zirkusfamilien reisen mit Hüpfburgen oder Puppentheatern. Der Schwerpunkt der klassischen Zirkusgastspiele hat sich besonders in Deutschland vom Sommer-Tourneezirkus auf die Weihnachtszirkusse verlagert (s. unten), die in den letzten zwei Jahrzehnte beinahe wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Umso schöner ist es, dass manche Zirkusse noch über kürzere oder längere Zeiträume auf Tournee gehen. 

Von den schätzungsweise über 200 Zirkussen in Deutschland geht nur ein kleinerer Teil regelmäßig auf Tournee. Ausschlaggebend für die Größe und Qualität eines Zirkus sind heute weniger das äußere Erscheinungsbild (Zeltgröße, Wagenpark), sondern mehr die Qualität des Programms und der Artisten sowie eine seriöse Öffentlichkeitsarbeit und Tourneeplanung. Es kommt in der Branche bei den kleineren Zirkussen ständig zu Neugründungen, Namensänderungen und Schließungen. Kleine Zirkusse haben oft keine Kapazitäten für die Betreuung einer Webseite. Etliche sind gar nicht im Netz vertreten. So können wir in unseren Link-Listen (s. Deutsche Zirkussenie einen vollständigen Überblick geben, da wir nur Zirkusse auflisten, die im Internet präsent sind.

Das große Geschäft um Weihnachten

Mit dem Spruch Süßer die Kassen nie klingeln brachte die deutsche Circuszeitung im Jahr 2024 das Phänomen der Weihnachtszirkusse treffend auf den Punkt. Die deutschen Zirkusse erwirtschaften ihren Hauptumsatz innerhalb von drei Wochen, beginnend in der letzten Adventwoche und endend meist um Epiphanias (6. Januar). Viele Zirkusveranstalter sind nur noch im Weihnachtsgeschäft aktiv und verzichten auf die einst so typische Sommertournee. Die Branche beschleunigt dadurch einerseits selbst den Niedergang des klassischen Tourneezirkus. Andererseits kann man zu keiner anderen Jahreszeit so viel hochwertigen, auch klassischen Zirkus erleben. 

Das Wetter im Winter ist eigentlich unpassend für Zeltzirkus. Regen und Sturm können den Zirkussen ebenso zusetzen wie hohe Heizkosten. Das Zirkuszelt wurde ursprünglich für Zirkusse auf Sommertournee entwickelt. Doch wenn die Menschen in Massen kommen, wird das nebensächlich. Die meisten Weihnachtszirkusse sind sehr stark besucht; viele Shows sind regelmäßig ausverkauft, manche laufen dreimal am Tag (Vormittage inbegriffen).

Bilder oben: Lange Schlangen vor den Kassen sind bei Weihnachtszirkussen keine Seltenheit. - 1: Dresdner Weihnachtscircus. - 2: Weihnachtscircus Osnabrück (Roncalli). -  3: Karlsruher Weihnachtscircus.

Bilder - 1: Der Hanauer Weihnachtscircus (C. Barus) wirbt mit der Weihnachtsgeschichte. - 2: Den Süßwaren-Wagen in Würzburg (Circus Krone) ziert der Rentierwagen seltenerweise mal ohne Weihnachtsmann. -  3: Weihnachtsbäume gehören bei vielen Zirkussen zur Standard-Ausstattung (hier bei Roncalli in Osnabrück.

Fast alle Weihnachtszirkusse schließen über Jahre Verträge mit derselben Stadt und werben dann mit dem Städtenamen (z.B. "Dresdener" oder "Gelsenkirchener Weihnachtcircus"). Viele Shows bieten Nummern von Weltklasse, wobei die artistische Qualität der Programme teils wieder rückläufig ist, weil es inzwischen so viele Weihnachtsshows gibt und überall Artisten unterkommen. Indes bieten selbst kleinere und mittlere Weihnachtszirkusse weiter sehenswerte Programme. Die Veranstalter sind oft deutsche Zirkusfamilien, die teils noch mit Reisegeschäften auf Tour gehen, daneben aber auch etliche Event-Agenturen und zirkusaffine Einzelveranstalter. Manche Firmen sind an mehreren Orten gleichzeitig vertreten. An der Spitze stehen mit jeweils 5 Städten gleichzeitig momentan Flic Flac und Thomas Schütte mit seinen Agenturen. 

Der Charakter der Programme ist sehr unterschiedlich. Je nachdem, wo man wohnt, bekommt man eher ein traditionelles Programm mit Tieren oder eine neuartige Akrobatenshow geboten - oder Action-Stunts bei Flic Flac, Theaterpoesie in Paderborn etc. etc. Wir finden es toll, dass in Städten wie Dresden, Heilbronn, Ulm, Schwerin, Frankfurt, Ravensburg und anderswo noch klassischer Zirkus unterschiedlicher Größe, aber in bester Qualität mit Livemusik geboten wird. Die Zahl der Tiernummern und -arten ist derweil wegen des politischen Drucks fast überall stark reduziert (s. unsere Seiten zum Tierzirkus).

Bilder: Der Charakter der Vorzelte unterscheidet sich stark, von kühler Lounge bis zu plüschigem Christbaumschmuck. - 1: Hannover. - 2: Würzburg. -  3: Bad Mergentheim. - 4: Mannheim. - 5: Schwerin. - 6: Stuttgart.

Immer weniger Menschen ist bewusst, dass Weihnachten eines der höchsten christlichen Feste ist: das Fest der Geburt Jesu Christi, des Mensch gewordenen Gottes. Aus der Perspektive ist der Advent eine stille Zeit der Buße - im Gegensatz zum Kommerz und Rummel der Weihnachtsmärkte. Auch für ausgelassene Zirkusshows wäre es aus traditioneller Sicht passender, wenn sie erst kurz nach den Feiertagen beginnen würden. Dann aber passen sie auch von christlicher Warte aus, denn Weihnachten ist ein Fest der Freude, und Zirkus bringt Freude für die ganze Familie. Schon im letzten Jahrhundert liefen Zirkusshows im Fernsehen wie Stars in der Manege oder Arena der Sensationen in der Weihnachtszeit - und die Aufzeichnung des Circusfestivals von Monte Carlo an Christi Himmelfahrt!

Nur sehr wenige Zirkusse bieten Referenzen zum christlichen Ursprung des Festes - doch immerhin: Der Circus Barus der Familie Frank in Hanau erzählt der Teile der biblischen Weihnachtsgeschichte im Weihnachtsprogramm. Andernorts wird eine Weihnachtskrippe im Vorzelt aufgebaut, wie etwa in Ulm. In manchen Weihnachtszirkussen wird im Verlauf des Gastspiels ein Gottesdienst (meist ökumenisch) in der Manege veranstaltet. Dagegen setzen Konzepte wie Flic Flac mit X-mas Shows auf einen Gegentrend. In der Umformung des Wortes "Christmas" zu X-mas wird der Name "Christus" vermieden - wobei das X doch auf den griechischen Anfangsbuchstaben von Christus zurückgeht.

Bilder  oben - 1: Vor den Weihnachtsmarkt-Buden im Vorzelt (hier in Karlsruhe) drängen sich die Besucher. - 2: In den Tunneln zwischen Hauptzelt und Vorzelt (hier in Bonn) kommt die Menge oft nur gemächlich vorwärts. -  3: In den oft ausverkauften Shows sind auch Tiernummern sehr beliebt, sofern sie noch genehmigt sind (hier 2017 in Karlsruhe).


Verweis auf unsere Link-Listen (Rubrik Deutsche Zirkusse)

Machen Sie sich in unseren Link-Listen ein Bild, wo welche Zirkusse auf Sie warten. Reine Varietés bzw. akrobatische Hallen- und Bühnenshows listen wir nicht mit auf:

Reisezirkusse:

Weihnachtszirkusse:

a) Nord- und Ostdeutschland  < Link zur Liste

b) Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland  < Link zur Liste

c) Süddeutschland  < Link zur Liste