Internationale Zirkusfestivals in Europa (Auswahl)
Als Zirkusfestivals werden Veranstaltungen bezeichnet, bei denen ausgewählte Artisten im Wettbewerb um Preise gegeneinander antreten, manchmal aber auch solche, bei denen ohne Preiswettbewerb versammelte Spitzenartisten gezeigt werden. Wie Musikfestivals finden Zirkusfestivals immer wiederkehrend an einem Ort zu festgelegten Terminen statt. In unserer Liste haben wir in alphabetischer Reihenfolge eine Auswahl großer Festivals in Europa verlinkt. Darunter finden sich klassische Programme und neue Formen der Zirkuskunst. Auf die Webseiten gelangen Sie durch Klicken auf die Namen in roter Schrift.
🐎 = klassisches Programm, zu dem (meist wenige) Tiernummern gehören
🐈⬛ = einzelne Kleintiernummern, sonst nur Akrobatik
🤸♀️= reine Akrobaten-Show (meist modern inszeniert)
🎭 = Stilrichtung Nouveau Cirque oder "Theaterzirkus"
🎺= Live-Musik eher traditionell: Big-Band-Stil (Orchester) 🎻= eigener Livemusik-Stil
🎸= Live-Musik rockig 🥁 = Schlagzeug oder andere Einzelinstrumente
🎤 = teilweise Live-Gesang (je nach Show: Musical; Jazz; Pop; Schlager; Opernstimme)
Das Berlin Circus Festival ist ein bewusst alternativ aufgezogenes Festival, das in pointierter Weise die Kunstrichtung des Neuen Circus (Cirque Nouveau) vertritt. Es wird seit 2016 in Berlin Tempelhof veranstaltet - nicht ganz unpassend zum Image der Hauptstadt. Die akrobatischen Leistungen sind freilich sehenswert.
Alle zwei Jahre findet in Wiesbaden ein Jugendfestival der Zirkuskünste statt. Es ist das einzige größere Festival in Deutschland, das auch Artisten aus traditionellen Zirkusfamilien berücksichtigt. Da es keine eigene Webseite gibt, verlinken wir Seiten der Stadt Wiesbaden. Wir bitten um Entschuldigung, wenn Links nicht aktuell sind.
Das Festival Internazionale del Circo “Citta’ di Latina” in der Stadt Latina südlich von Rom ist als eines der größten klassischen Zirkusfestivals
empfehlenswert. Es treten Top-Artisten, Clowns und Dresseure aus allen möglichen Ländern an. Ein Orchester ist vorhanden, viele Artisten bringen jedoch ihre eigene Musik vom Tonträger
mit.
Alle zwei Jahre wird im Zirkusbau der ungarischen Hauptstadt Budapest (s. Zirkusse in Osteuropa) eines der größten Zirkusfestivals veranstaltet. Zwei Auswahlprogramme präsentieren Akrobatik und wenige Tiernummern aus verschiedenen Ländern. Ein Qualitätsorchester begleitet Teile des Programms anspruchsvoll live; viele Artisten bringen allerdings ihre eigens ausgewählte Musik vom Tonträger mit.
Seit 2012 findet Ende Februar/Anfang März eines der größten Zirkusfestivals in Girona im Nordwesten Spaniens statt (Katalonien, Costa Brava). Spitzenartisten aus aller Welt treten in drei Shows, die sich zum Finale hin zuspitzen, um die Goldenen Elefanten an. Ein großes Orchester ist im Einsatz. Die Webseite ist in Deutsch verfügbar.
15 km südlich des Stadtzentrums von Paris - eigentlich noch im Außengürtel der französischen Hauptstadt - liegt die Gemeinde Massy, die nicht nur eine eigene Oper besitzt, sondern jedes Jahr im Januar ein Circusfestival mit internationaler Besetzung veranstaltet. Anfangs war das Festival vor allem als Wettbewerb für Tierdresseure gedacht, aber seit dem Umbruch in der Zirkuswelt Anfang der 2020er Jahre treten auch hier vorwiegend Akrobaten und Clowns auf, die um Preise konkurrieren.
Jedes Jahr im Januar verwandelt sich das Fürstentum Monaco an der Côte d'Azur für ein paar Tage in eine Zirkus-Hochburg. Unter der Schirmherrschaft der Jury-Präsidentin Prinzessin Stéphanie treten die besten Artisten der Welt in Wettbewerb; einige werden mit Goldenen, Silbernen, Bronzenen Clowns oder mit Spezialpreisen geehrt. Trotz der klassischen Ausrichtung treten im Programm auch moderne Darbietungen an. Man bekennt sich ausdrücklich zum Zirkus mit Tieren; eine gute Tierhaltung wird vorausgesetzt. Im deutschen Fernsehen (ARD) gibt es statt der bis 2009 traditionellen Übertragung an Christi Himmelfahrt nur noch einen gekürzten Zusammenschnitt an unpopulärem Datum, in dem - auf Druck der Tierrechts-Lobby - die Tiernummern herausgeschnitten sind, selbst wenn diese zu den Hauptgewinnern gehören. Wir verurteilen diese Art von Manipulation in den Medien ausdrücklich.
In der nur ca. 13.000 Einwohner großen Gemeinde Saint-Paul-lès-Dax im Süden Frankreichs, nahe der Atlantikküste und der spanischen Grenze, findet seit 1998 das Festival der Circusartisten statt. Eine internationale Jury vergibt Preise in Gold, Silber und Bronze. Früher feierte man hier den klassischen Zirkus; seit den 2020er Jahren treten keine Tiere mehr auf. Ob noch ein hervorragendes Orchester spielt, entzieht sich momentan unserer Kenntnis. In der deutschen Circuszeitung wurde einst die gute Stimmung als wesentliches Merkmal hervorgehoben; sie soll der Herzlichkeit und Mentalität der Region entsprechen. Für das Event sind auch viele ehrenamtliche Helfer im Einsatz.
Das Festival Mondial du Cirque de Demain ist nach dem Monte-Carlo-Festival wohl das zweitälteste und zugleich eines der größten Zirkusfestivals weltweit. Es wurde als Nachwuchsfestival für moderne Zirkuskunst von Dominique Mauclair gegründet und lange Zeit im altehrwürdigen Zirkusbau des Wintercircus Bouglione in Paris gezeigt (s. Zirkusse in Westeuropa), bis die Veranstaltung ins Zelt des Cirque Phénix im Bois de Boulogne umzog, einem großen Park im Westen von Paris (der Phénix-Circus trägt dort verschiedene Events aus). Das Festival ist heute stark von der in Frankreich entstandenen und verbreiteten Kunstrichtung des Nouveau Cirque geprägt, die sich vielerorts als Parallelwelt zum klassischen Zirkus entwickelt hat (s. Rubriken unserer Seite). Für diese Szene ist es zweifellos das bedeutendste Festival überhaupt, wobei seit Jahren wieder vermehrt traditionell anmutende Nummern verpflichtet werden. TV-Übertragungen in Deutschland gibt es vor allem zur Weihnachtszeit auf Arte.
